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Mehr Selbstbewusstsein - aber wie?

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Selbstbewusstsein – ein Begriff, der in mehreren Fachdisziplinen verwendet wird. In der Philosophie, der Soziologie, der Geschichtswissenschaft. Und der Psychologie. Damit beschäftigt sich dieser Beitrag. Und auch die Psychologie unterscheidet zwischen dem Selbstbewusstsein des Individuums und dem kollektiven Gruppenselbstbewusstsein. Hier geht es um das Selbstbewusstsein des einzelnen Menschen, das aktive, durch innere Denkprozesse herbeigeführte Erkennen der eigenen Persönlichkeit.

Wenn der Mensch Vertrauen, Zuversicht, Gewissheit und Sicherheit in starkem Maße verspürt, er seiner Zukunft relativ optimistisch, ohne Ängste entgegen sieht, gilt er als eine selbstbewusste Persönlichkeit mit einem gut entwickelten Selbstvertrauen. Er ist überzeugt von seinen Fähigkeiten, von seinem Wert als Person. All das zeigt sich in seinem selbstsicheren Auftreten.

Der Psychologe und Buchautor Dr. Rolf Merkle sagt: „Selbstbewusstsein zu haben bedeutet, für sich, seine Rechte, Bedürfnisse und Wünsche zu kämpfen und die Rechte anderer zu respektieren.“ Ein selbstbewusster Mensch hat also die Wahl, ob er sich gegenüber anderen durchsetzt oder auch nicht. Wenn er sich dafür entscheidet, nachzugeben, dann nicht, weil er Hemmungen oder Ängste hat, sondern weil er es will. Selbstbewusstsein bedeutet also, ohne schlechtes Gewissen, selbstbestimmt zu leben.

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Wie sich Selbstbewusstsein zeigt

Das Gegenteil eines selbstbewussten ist ein fremdbestimmtes, von Ängsten überschattetes Leben. Wie zeigt sich Selbstbewusstsein? Forderungen stellen zu können. Wünsche äußern und durchsetzen zu können. Nein sagen zu können. Komplimente annehmen zu können. Mit Kritik umgehen zu können. Sich und anderen Fehler zu erlauben. Kontakte knüpfen und auf andere zugehen zu können. Ohne Angst seine Meinung sagen zu können. Keine Scheu davor zu haben, anderen auf die Füße zu treten.

Doch warum fehlt es vielen Menschen an Selbstbewusstsein, sind sie schüchtern und gehemmt? Die Angst vor Ablehnung und die Angst zu versagen stecken dahinter. Oft gehen diese Ängste auf die Kindheit zurück. Dr. Merkle: „Durch Androhung von Liebesentzug und Strafen haben wir gelernt, dass Ungehorsam und Selbstbewusstsein bestraft werden.“ Auch wenn das Kind inzwischen erwachsen ist und vom Verstand her weiß, dass es keine Angst mehr zu haben braucht, können diese Einstellungen tief im Unterbewusstsein verankert sein. Doch was der Mensch einst gelernt hat, kann er auch wieder ändern und zu neuen Erkenntnissen kommen. Um das Selbstbewusstsein zu stärken, gilt es, die Angst vor Ablehnung durch andere und die Angst vor dem Versagen zu besiegen und das eigene Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl zu stärken. Denn sie sind Säulen für ein gesundes Selbstbewusstsein.

Den inneren Kritiker hinterfragen

Wie kann der Selbstwert gestärkt werden? Wer sich ängstlich, unsicher, fremdbestimmt fühlt, sich vielleicht sogar selbst hasst, wird von einem inneren Kritiker beherrscht. Denn nicht andere Menschen sind die größten Feinde, es ist der innere Kritiker. Doch ein selbstbewusster erwachsener Mensch kann selbst entscheiden, was für ihn gut ist oder nicht. Er muss sich nicht dem inneren Kritiker beugen. Um ihn mehr und mehr auszuschalten, sollten seine Meinungen hinterfragt und ehrlich beantwortet werden. Wenn zum Beispiel eine Prüfung nicht so gut ausfällt wie erwartet, und der innere Kritiker tönt: „Das war ja klar, du bist eben ein Versager“, sollte gefragt werden „Stimmt das wirklich?“ Und dann fällt einem sicher ein, dass viele andere Prüfungen wesentlich besser gelaufen sind.

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Dr. Rolf Merkle rät: „Behandle dich stets selbst genauso, wie du einen lieben Menschen behandeln würdest: wohlwollend, verständnisvoll, liebevoll, nachsichtig, akzeptierend. Habe Mitgefühl mit dir und zeige Verständnis für deine Fehler und Schwächen.“ Um dem inneren Kritiker auf die Spur zu kommen und ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen, wird geraten, alle seine Beurteilungen aufzuschreiben, sie zu hinterfragen und falls sie falsch sind, ihnen zu widersprechen. So werden die falschen Urteile des inneren Kritikers nach und nach entkräftet, die Selbstachtung gestärkt.

Das Leben wird leichter

Woran merken wir, wenn dieser Prozess in Gang kommt? Es gelingt leichter, mit Kritik und Ablehnung anderer Menschen umzugehen. Das Verständnis für eigene Fehler und Schwächen, aber auch für die von anderen wächst. Es fällt nicht mehr so schwer, diese zu verzeihen. Der Neid auf andere Menschen verschwindet. Der Druck wird geringer, ständig an sich arbeiten zu müssen.

Es gibt zahlreiche Ratgeber im Internet und in Buchform zum Aufbau von mehr Selbstbewusstsein. Wer es nicht allein schafft, sollte über eine Psychotherapie, zum Beispiel die kognitive Verhaltenstherapie, nachdenken. Denn die Mühe lohnt – für ein selbstbestimmtes, unbeschwertes Leben.

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Zuletzt vor 7 Tagen aktualisiert von Sarah Klausen

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